Vogels Küche
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Wirsing-Eintopf – der Klassiker modernisiert

Mal ehrlich – die Erinnerung an Omas Wirsing-Eintopf löst nicht gerade große kulinarische Begeisterung aus. Okay, nun ist Wirsing auch ein Gemüse, dass nicht zwangsläufig zum bevorzugten Speiseplan von Kindern gehört. Aber auch unabhängig davon verbinde ich mit der Wirsingsuppe einen sehr deftigen, eher dicken Eintopf mit Kartoffeln und irgendeiner Sorte Fleisch. Ob Wurststücken oder Hack oder Kassler – daran kann ich mich nicht mehr erinnern. Wohl aber an die Unmengen von Kümmel. Mittlerweile mag ich ja Kümmel, und Wirsing habe ich auch ebenfalls als vielseitiges und leckeres Gemüse entdeckt.

Winter is coming

Wenn die Tage kürzer und kälter werden, ist ein wärmender Eintopf immer eine gute Idee. Wirsing hat Saison – also habe ich den Klassiker etwas modernisiert und mit einem Hauch mediterraner Aromatik versehen. Die Fleischeinlage wird durch ein wenig Bacon ersetzt, aber diesen können Vegetarier gerne weglassen (dann kann die Suppe vegan zubereitet werden). Der Verzicht auf Kartoffeln stellt den Wirsing in den Vordergrund und führt zu einer gefühlt leichteren Suppe. Kümmel muss freilich trotzdem sein. Wer ihn nicht mag, sollte ihn mit etwas groben Salz im Mörser fein zerstoßen. Ohne dass Gefühl, auf die Kümmelkörner zu beißen, ist er gleich viel erträglicher. Tomaten und etwas Zitronenschale bringen einen Hauch Säure und die gewünschte mediterrane Note.

Zur Nachahmung empfohlen – auch für Wirsing-Skeptiker.

Zutaten

für ca. 3 bis 4 Portionen

  • ein kleiner Wirsingkohl (oder einen größeren halbieren)
  • 3 bis 4 kleine Tomaten oder eine Handvoll Kirschtomaten
  • 1 bis 2 Schalotten oder eine mittlere helle Zwiebel
  • ca. 400 bis 500 ml Gemüsefond (selbstgemacht)
  • 50 g Bacon
  • 1 TL Tomatenmark
  • 1 TL Kümmel
  • grobes Meersalz
  • etwas frischer Zitronenabrieb von einer Bio-Zitrone (ca. 1/2 TL)
  • schwarzer Pfeffer aus der Mühle
  • 1 bis 2 EL Olivenöl
  • 1 EL Butter

Zur Dekoration habe ich aus einem Brötchen vom Vortag (ein Baguette oder Ciabatta geht natürlich auch) im Backofen Brotchips hergestellt und diese mit etwas Knoblauch und Olivenöl aromatisiert.

Zubereitung

1. Vorbereitungen: Den Wirsing halbieren und den Strunk sehr großzügig herausschneiden. Blätter in nicht zu feine Streifen schneiden (ca. 1 cm Breite mindestens). Zwiebel/Schalotten grob würfeln. Tomaten je nach Größe halbieren oder vierteln, Strunk entfernen. Den Kümmel im Mörser mit 1/2 TL groben Salz zerstoßen. Bacon – falls gewünscht – in Streifen schneiden.

2. Olivenöl in einem großen Topf erhitzen. Zwiebeln darin eine Minute leicht angehen lassen. Wirsing zugeben und unter gelegentlichem Rühren etwas zusammenfallen lassen. Dabei kann der Wirsing gerne leichte Bratspuren bekommen, sollte aber natürlich nicht komplett braun werden. 1 TL Tomatenmark eine halbe Minute mitbraten, dann mit Gemüsefond ablöschen. Mit etwas Wasser auffüllen, wenn die Flüssigkeitsmenge zu gering erscheint (weitere 200 ml sollten ausreichend sein, sodass der Wirsing nicht bedeckt ist, aber in der Flüssigkeit garen kann). Kümmel zugeben, alles gut verrühren und mit Salz würzen. Zuletzt die Tomaten zugeben.

3. Zugedeckt gart der Wirsing jetzt maximal eine Viertelstunde, das reicht schon. Inzwischen die Baconstreifen in Butter bräunen und alles während der Garzeit mit in den Topf geben. Nach etwa 10 Minuten mit Salz und Pfeffer abschmecken, Zitronenabrieb zugeben. Wer mag, kann mit ein paar Chiliflocken für eine leichte Schärfe sorgen.

Nun kommt der wichtigste Schritt im Rezept: Suppe nicht sofort servieren! Im Ernst: sie schmeckt viel besser, wenn sie einige Stunden zugedeckt geruht hat und dann wiedererhitzt wird.

Der Hunger muss warten

Vorm Servieren habe ich wie eingangs beschrieben Brotchips als Garnitur hergestellt. Dazu Brötchen vom Vortag in dünne Scheiben von ca. 5 mm schneiden. Trocken auf einem Backblech bei 180 Grad Umluft ca. 10 Minuten rösten bis sie leicht bräunen. Mit einer halbierten, angedrückten Knoblauchzehe abreiben und etwas Olivenöl beträufeln. Suppe parallel wieder erhitzen, nach Bedarf mit Salz, Pfeffer, Kümmel und eventuell einem Spritzer Zitronensaft abschmecken.

Erwärmt schmeckt der Eintopf gleich doppelt so gut.

Übrigens: Knoblauch kann, muss aber nicht. Wer die Suppe etwas flüssiger mag, verwendet einfach mehr Fond und/oder Wasser. Den Fond koche ich aus Gemüseresten (Zwiebeln, Möhren, Sellerie, Lauch, …) selbst und wecke diesen in Twist-Off-Gläsern ein.

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